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Neues aus Baden-Württemberg

JA zum Ausstieg

Aktuelles aus Baden-Württemberg

Gemeinsam waren Agnieszka Malczak und Boris Palmer am 04.11. mit der Südbahn unterwegs, um über Stuttgart 21 zu informieren, zu diskutieren und für ein Ja zum Ausstieg zu werben. Halt machten sie in Ulm, Ravensburg und Friedrichshafen. Hier ein Bericht über die Ravensburger Veranstaltung.

Gestuhlt war für 120, doch das reichte nicht: Der Große Saal im Hotel Waldhorn war am Freitag, den 4. November nachmittags um 17 Uhr zu klein für den Ansturm der Interessierten, die aus erster Hand Informationen zu Stuttgart 21 und der Volksabstimmung hören wollten. Die Trennwand zum Kleinen Saal musste geöffnet, zusätzliche Stühle aufgestellt werden – trotzdem blieb ein gutes Dutzend ohne Sitzplatz, harrte aber bis zum Ende aus.

Dafür belohnte sie Boris Palmer mit einem höchst lebendigen, humorvollen, aber zugleich inhaltsstarken Vortrag. Die Ravensburger Bundestagsabgeordnete Agnieszka Malczak hatte ihn als einen herausragenden Verkehrsexperten vorgestellt, und dem wurde Boris Palmer vollstens gerecht, während er genüsslich die Argumente der Stuttgart-21-Befürworter zerpflückte.

Agnieszka Malczak warb eindringlich dafür, dass die Menschen in Baden-Württemberg die historische Chance wahrnehmen sollten, zum ersten Mal Politik direkt gestalten zu können, indem sie ihre Stimme bei der Volksabstimmung abgeben. Dabei zu sein, sei unheimlich wichtig, aber auch noch nicht alles. Man solle mit einem Ja zum Kündigungsgesetz und damit einem Ja zum Ausstieg ein Votum abgeben für mehr modernen Verkehr im ganzen Land.

Der jetzige Kopfbahnhof sei immerhin einer der drei leistungsfähigsten Europas (neben Zürich und London). Das sei einem Meisterstück schwäbischer Ingenieurskunst zu verdanken, durch das die Züge aus allen Richtungen auf drei Ebenen kreuzungsfrei ein- und ausfahren könnten. Diesen Bahnhof solle man erhalten, die in den letzten Jahrzehnten unterlassenen Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen nachholen, statt ihn durch einen Tunnelbahnhof in Hanglage mit teils eingleisigen sowie sich kreuzenden und gegenseitig behindernden Zufahrten zu ersetzen und so eine neue Engstelle im europäischen Bahnverkehr zu schaffen.

Ziel müsse eine Lösung nach Vorbild es Schweizer Taktfahrplan sein, wo gegenüber Deutschland das Sechsfache an Zug-Kilometern gefahren werde. Das aber werde mit S21 auf ein Jahrhundert hinaus verhindert. "Der Kopfbahnhof ist bei weitem das bessere Projekt, es wurde nur nie geprüft", kritisierte Palmer. Süffisante Kritik übte er am vorgeblich bestandenen Stresstest, der voller Fehler sei und dem unrealistische Annahmen zugrunde lägen. Da werde ein Fahrplan suggeriert, der unfahrbar sei, da alle Gleise im Bahnhof doppelt belegt würden, Mindestabstände zwischen Zügen nicht eingehalten würden – "Phantomzüge" nannte das Palmer mit Bezug auf die Gutachter von SMA – und mit unrealistisch niedrigen Verspätungszeiten gearbeitet werde. Am Beispiel eines von Mannheim mit nur 6 Minuten Verspätung einfahrenden ICEs konnte er eindrucksvoll demonstrieren, dass dies sofort weitere Verspätungen sowohl ein- als auch ausfahrender Züge nach sich zöge.

Der Kopfbahnhof passe daher viel besser in die Zukunft und sei nachgewiesermaßen wesentlich leistungsfähiger – denn während S21 nicht einmal für die 49 Züge des Stresstests eine gute Betriebsqualität nachweisen konnte, habe der alte Bahnhof schon vor 30 Jahren 70 Züge in der Stunde bewältigt. Ein Ausstieg würde auch keine 1,5 Milliarden Euro kosten, wie die Neubau-Befürworter behaupten. Knapp zwei Drittel davon seien die von der Bahn an Bund, Land und Stadt zu leistenden Rückzahlungen erhaltener Vorschüsse, weitere 270 Mio. Euro aufgelaufene Planungskosten der Neubaustrecke – die aber gar nicht zur Debatte stehe. Damit seien die 350 Mio. Euro, die die Wirtschaftsprüfer der Märkischen Revision ermittelt haben, eigentlich schon hoch gegriffen – und entsprächen der zu erwartenden jährlichen Kostensteigerung bei einem Weiterbau.

Anschließend als Aganieszka Malczak und Boris Palmer sich auf den Weg nach Friedrichshafen machen mussten, übernahm der Landtagsabgeordnete Manne Lucha, der Fragen beantwortete und ebenfalls sehr wortgewandt für ein Ja zum Ausstieg warb.

Hier finden Sie einige ausgewählte Artikel über die Südbahntour in der Schwäbischen Zeitung, im Südkurier und in der Südwest Presse.

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