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Nachlese: Podiumsdiskussion zur grünen Gesundheitspolitik

Auf Einladung meines Kollegen aus der grünen Landtagsfraktion, Manne Lucha, habe ich am 16. Juli 2013 im Gasthof Mohren eine spannende Diskussion zum Thema grüne Ideen in der Gesundheitspolitik moderiert. Neben Manne Lucha hat als ausgewiesene Expertin Maria Klein-Schmeink, Sprecherin für Prävention und Patientenrechte der grünen Bundestagsfraktion, mit dem Publikum diskutiert. Mehr dazu im folgenden Bericht:

"Zwei Fragen standen im Zentrum: Was kann jeder Einzelne tun, um gesund zu bleiben? Was kann der Gesetzgeber tun, um zu gewährleisten, dass diejenigen, die krank werden, optimal versorgt werden?

„Im englischen Sprachraum wird unterschieden zwischen Health Care und Self Care“, sagte Manne Lucha bei der Begrüßung. Health Care meine die Leistungen des institutionellen Gesundheitssystems, Self Care die Verantwortung jedes Einzelnen, gesund zu bleiben. Das seien auch die zwei Grundpfeiler in der Gesundheitspolitik der Grünen.

Maria Klein-Schmeink hat sich im Bundestag für die Stärkung der Patientenrechte eingesetzt. Das bedeutet für die Ärzte, dass sie die einzelnen Behandlungsschritte noch akribischer als bisher dokumentieren müssen, es gewährleistet aber auch mehr Transparenz. Ziel sei, die Zahl der Fehlbehandlungen zu verringern.

Maria Klein-Schmeink: „Wir setzen uns ein für Kooperation statt Konkurrenz. Dazu gehört ganz wesentlich die Weitergabe von Informationen, das kann man fördern durch die Honorierung von Therapieabsprachen zwischen Ärzten und zum Beispiel Physiotherapeuten. Wichtig sind transparente Formen der Zusammenarbeit und eine bessere Verzahnung von stationärer und ambulanter Behandlung.“

Sie stellte fest, dass die Ökonomisierung auch vor dem Gesundheitsbereich nicht Halt gemacht habe. Da werden Ärzten, die viel operieren, Boni bezahlt, in Hochleistungstechnologie investiert, aber im Pflegebereich gespart. Maria Klein-Schmeink: „Das Pflegepersonal ist empört und überlastet. Die Regierungskoalition hat nichts getan, um den Pflegenotstand zu beheben.“

Das Hilfspaket, das die Regierung verabschiedet habe, um die Krankenhäuser zu retten, sei wenig differenziert. Nach dem Gießkannenprinzip werde Geld ausgeschüttet, das auch Krankenhäusern zu Gute komme, die schwarze Zahlen schreiben. Die strukturellen Probleme im Gesundheitswesen seien von der Regierung nicht angegangen worden. Dazu gehöre die Einführung von Fallkostenpauschalen, durch die es im Krankenhausbereich zu finanziellen Schieflagen gekommen sei, während sie den Krankenkassen Milliarden-Überschüsse beschert habe. 

Dringend reformiert werden müsse auch das Zweiklassensystem von privaten und gesetzlichen Krankenkassen. Die Grünen wollen eine Bürgerversicherung einführen, in der alle versichert sind. Das ermögliche den Abbau von Parallelstrukturen und die bessere Nutzung bestehender Kapazitäten. Eine Ärztin, die im Publikum saß, beklagte die Flut unterschiedlicher Formulare der insgesamt 145 Krankenkassen.

175 Milliarden Euro werden für die Behandlung von Krankheiten in Deutschland ausgegeben, 23 Millionen Euro fließen in die Prävention. „Dabei ist klar“, so Maria Klein-Schmeink, „dass die Ursachen von Rückenschmerzen, Herz-Kreislaufproblemen und Depressionen auch im Lebensstil und in den Lebensverhältnissen zu finden sind.“ Persönliches Verhalten spiele eine wichtige Rolle in der Gesundheitsfürsorge. Es sei wichtig, den Menschen zu vermitteln, was sie selbst tun können, damit es ihnen langfristig gut gehe. "

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